Cover Ausgabe 03 | 2012   eMail   Impressum

Wein

Mehrweg ohne Pfad

Im Herbst 2011 haben sich in der Steiermark die Landesregierung, die Landwirtschaftskammer und die Steiermarkzentrale der Firma SPAR auf das Projekt "Allweg-Steiermarkflasche" verständigt, um den ökologischen Fußabdruck des Naturprodukts Wein zu verbessern. Wie funktioniert das Projekt, was ist der Umweltnutzen?
Von Werner Hochreiter
Erklärtes Ziel des auf zwei Jahre anberaumten Pilotprojektes ist, die Rate der wiederbefüllten Steiermark-Flaschen von heute 35 Prozent auf 50 Prozent zu steigern. Das heißt, in Zukunft soll nicht nur jede dritte, sondern jede zweite Flasche einmal wiederbefüllt werden. Das klingt nicht viel. Die Pilotphase soll aber dazu dienen, das Projekt breiter bekanntzumachen, die WeinkonsumentInnen zum Mitmachen zu bewegen und unter den Weinbaubetrieben und dem Lebensmittelhandel weitere Projektpartner als Rücknahmestellen zu gewinnen. Unausgesprochene Vision ist natürlich, dass das Projekt nach der Pilotphase selbsttätig weiterläuft.
Auf den ersten Blick fällt an der Steiermark-Flasche der Panther am Flaschenhals auf. Ansonsten scheint sie eine gewöhnliche 0,75 Liter-Weinflasche zu sein, von der man als KonsumentIn vermutet, dass sie, nachdem man sie geleert hat, in den Altglascontainer gehört. Doch die Flasche hat eine besondere Geschichte, die schon fast 20 Jahre zurück­reicht, erläutert Werner Luttenberger, Weinbaudirektor in der steirischen Landwirtschaftskammer: "Die neue Flasche entsprang damals einer Initiative von Weinbauern, Flaschenhandel, Weinbauschule Silberberg und Kammer, um von der Vielfalt an Flaschen wieder weg zu kommen." Denn die Qualitätsoffensive nach dem großen Weinbauskandal hatte auch zu einer großen Flaschenvielfalt und in weiterer Folge zu Problemen geführt, wenn Weinbauern zurückgenommene Flaschen waschen oder wiederbefüllen wollten. Unterschiedliche Größen sind da ebenso hinderlich wie Billigflaschen, die dabei oft brechen. Die Steiermark-Flasche brachte die dafür ausreichende Qualität, war leicht zu reinigen und wiederzubefüllen. Davon profitierten vor allem kleine und mittlere Weinbaubetriebe, bei denen sie sich auch schnell durchsetzte (siehe Kasten Bioweingut Menhard). Seit Mitte der 1990er Jahre hat sie rund 50 Prozent Marktanteil in der Steiermark. Die Steiermark-Flasche ist auch betriebswirtschaftlich sinnvoll. Luttenberger: "Eine neue Panther-Flasche kostet rund 45 Cent. Das Waschen zur Wiederbefüllung dagegen nur 20 Cent. Schon ab zwei Umläufen kostet dem Weinbauer das Gebinde nicht mehr als eine gewöhnliche Billigflasche, die man nur einmal verwenden kann."

ÖKOLOGISCH
Das Wiederverwenden ist auch ökologisch sinnvoll. Christian Pladerer vom Ökologie-Institut hat für eine Präsentation in der Weinbauschule Silberberg den CO2-Fußabdruck der Bier- und Weinwirtschaft in Österreich abgeschätzt. Betrachtet wird der ganze Lebensweg des Produkts, von der Erzeugung bis zur Entsorgung, z.B. der Verpackungen. Beide Sektoren verursachen jeweils rund 500.000 Tonnen CO2. Freilich ist der Ausstoß der Bierwirtschaft mit 890 Millionen Liter mehr als dreimal so groß wie der der Weinwirtschaft: Mehr als 20.000 Betriebe in Österreich erzeugen zusammen 260 Millionen Liter Wein. Warum sind die spezifischen CO2-Emissionen bei Wein (1,9 kg CO2/Liter) viel höher als bei Bier (0,5 kg CO2/Liter)? Hier spielt das in Österreich noch immer gut ausgeprägte Bier-Mehrwegsystem die entscheidende Rolle. Bestätigt wird dies durch Untersuchungen eines deutschen Weinhändlers (www.riegel.de) sowie zur Weinregion "Traisental"/NÖ. "Die Wein-Glasflasche ist für rund 45 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich", bringt Luttenberger die Ökobilanz-Ergebnisse auf den Punkt. Das zahlenmäßig größte Optimierungspotenzial beim Wein besteht somit in der Mehrfachverwendung der Glasflasche.
Die Fragen nach dem CO2-Footprint und seiner Verringerung werden mehr werden. Viele Weinregionen beschäftigen sich mittlerweile damit. Luttenberger will aber auch Glas als Packstoff nicht in Frage gestellt sehen: "Die Glasflasche ist ein Kulturgut". Auch mich erleichtert, dass für ihn der Umstieg auf Kunststoffgebinde, wie es andere zur CO2-Verminderung probieren – siehe die "bag-in-box" in Dänemark oder die "Zero-Emission-Bottle" in Neuseeland –, kein Thema ist.
Mag. Werner Hochreiter ist Jurist und Mitarbeiter der Abteilung Umwelt & Verkehr in der AK Wien.
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