Ausgabe 03 | 2012

Schwerpunkt

Interview

Green Economy - gibt's die?

Die Wirtschaft gibt sich gerne "grün". Doch Wirtschafts-, Wachstums- oder Umweltkrisen lassen zunehmend Zweifel daran aufkommen, wie nachhaltig "Green Economy" wirklich ist.

Mit Heinz-J. Bontrup

Ist "Green Economy" im Kapitalismus möglich?
Bontrup: Ich glaube nicht. Sonst hätten wir längst eine bessere Umwelt. Raubbau an der Natur ist dagegen an der Tagesordnung. Wir entreißen ihr die nichtregenerativen Rohstoffe, produzieren nach wie vor energieintensiv, häufig Produkte die eigentlich keiner braucht, und selbst der Konsum der produzierten Güter verursacht enorme Umweltschäden, wenn sie nur an den Autoverkehr denken. Es droht mittlerweile eine Klimakatastrophe.

Was sind die Hemmnisse?

Bontrup: Im Kapitalismus der Kapitalist, es sei denn, er verdient mit der Produktion von Umweltgütern Geld. Aber auch diese können nicht ohne Rohstoffverbräuche und Umweltbelastungen hergestellt werden. Eine vollständige Internalisierung, bezogen auf Rohstoffe und Emissionen, in die Preise geht zu Lasten der Profite. Können die Kapitaleigner die Umweltkosten nicht über ihre Produktpreise erlösen, so ist ihr Profit nicht maximal. Hier bekommt jeder Kapitalist Störgefühle. Und wälzen sie die Umweltkosten auf die Nachfrager weiter, so werden viele Konsumenten auf Grund ihrer niedrigen Einkommen die Produkte nicht mehr kaufen können. Auch hier verliert der Kapitalist durch weniger Nachfrage, aber auch der wirtschaftlich Schwache, weil er von der Konsumption ausgeschlossen wird. Dies wirft die soziale Frage auf.
Warum dann der Etikettenschwindel?
Bontrup: Ganz einfach. Weil der Kapitalist den Kapitalismus nicht abschaffen will. Er profitiert von diesem System am meisten. Auch eben wegen einer Nicht-Internalisierung der Umwelt in die Preise.

Welche Bedingungen braucht sozial-ökologischer Fortschritt?

Bontrup: Ein anderes Wirtschaftssystem. Ein System, das auf einer Wirtschaftsdemokratie basiert und nicht auf einem Diktat des Kapitals zur maximalen Profitbefriedigung von Wenigen in einer Gesellschaft. Nur eine demokratische Wirtschaft, die alle Interessen des arbeitenden Menschen und eben auch der Umwelt gleichberechtigt bündelt und durch eine entsprechende Wirtschaftspolitik des Staates über kontrollierte Märkte aussteuert, macht einen gesellschaftlich integrativen sozial-ökologischen Fortschritt möglich. Wer sich hiermit vertieft auseinandersetzen will, dem kann ich mein Buch "Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft" empfehlen.

www.memo.uni-bremen.de/docs/m1305.pdf

Mehr Ausführungen rund um dieses Thema finden Sie im Referat von Prof. Bontrup auf der Zukunftskonferenz der Arbeiterkammer Linz am 12. Juni 2012: "Fortschritt sozial-ökologisch gestalten" www.youtube.com/watch?v=UFw7c7vZrxk